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Ta­gungs­or­te des EP

Stimmt es, dass das Par­la­ment zwei Ar­beits­or­te hat?

Das Par­la­ment hat so­wohl ei­nen Sitz in Straß­burg als auch ei­nen in Brüs­sel, die Ver­wal­tungs­ab­tei­lun­gen sind groß­teils in Lu­xem­burg an­ge­sie­delt – es gibt al­so so­gar drei Ar­beits­or­te. Al­le drei sind durch ver­schie­de­ne Ar­beits­pha­sen des Par­la­ments ge­prägt: Wäh­rend in Brüs­sel die ge­sam­te po­li­ti­sche Ko­or­di­na­ti­ons­ar­beit in den Aus­schüs­sen, Ar­beits­grup­pen und Frak­tio­nen ge­leis­tet wird, fin­den in Straß­burg nur die Ple­nar­sit­zun­gen statt. Zwölf­mal im Jahr rei­sen dann al­le 751 Ab­ge­ord­ne­ten und ein Teil des Per­so­nals zur Sit­zungs­wo­che nach Straß­burg. Die Ver­wal­tungs­ab­tei­lun­gen in Lu­xem­burg tau­schen si­ch re­gel­mä­ßig mit den Kol­le­gen in Straß­burg und Brüs­sel aus und rei­sen eben­falls teil­wei­se zu den Sit­zungs­wo­chen an.

War­um hat das Par­la­ment Sit­ze in Brüs­sel, Straß­burg und Lu­xem­burg?
Die Eu­ro­päi­sche Uni­on, wie wir sie heu­te ken­nen, nahm ih­ren An­fang in den 1950er Jah­ren. Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en und die Be­Ne­Lux­län­der un­ter­zeich­ne­ten 1955 Ver­trä­ge über ins­ge­samt drei Eu­ro­päi­sche Ge­mein­schaf­ten. Mit der EGKS (Eu­ro­päi­sche Ge­mein­schaft für Koh­le und Stahl), der EURATOM (Eu­ro­päi­sche Atom­ge­mein­schaft) und der EWG (Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft), wur­de erst­mals ei­ne Verwaltungs- und Re­gie­rungs­ebe­ne ge­schaf­fen, die in der Hier­ar­chie über dem Na­tio­nal­staat stand. Die­ser Ver­zicht auf Sou­ve­rä­ni­tät war für die sechs Staa­ten nur zehn Jah­re nach dem En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ein gro­ßer und mu­ti­ger Schritt. Da­her woll­ten al­le be­tei­lig­ten Län­der – aus Grün­den der Ver­trau­ens­bil­dung für die Be­völ­ke­rung und na­tür­li­ch auch aus Pres­ti­ge­grün­den – ei­ne die­ser „su­pra­na­tio­na­len“, al­so über­staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen im ei­ge­nen Land be­her­ber­gen.
Das Par­la­ment nahm sei­nen Sitz im fran­zö­si­schen Straß­burg an der französisch-deutschen Gren­ze, was zu­gleich ein Sym­bol für die Aus­söh­nung zwi­schen bei­den Län­dern war. Als die (spä­ter er­st ein­ge­rich­te­te) Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on 1958 ih­ren Sitz in Brüs­sel er­hielt, ge­wann die bel­gi­sche Haupt­stadt zu­neh­mend an Be­deu­tung. Zu den Ta­gun­gen der ein­zel­nen Aus­schüs­se ka­men die Europa-Abgeordneten nun auch in Brüs­sel zu­sam­men, wäh­rend die Voll­ver­samm­lun­gen wei­ter­hin in Straß­burg statt­fan­den. Be­reits in den Sieb­zi­gern for­der­ten die Ab­ge­ord­ne­ten ei­nen ein­zi­gen Sitz, doch kei­ner der Mit­glieds­staa­ten bot si­ch als Gast­ge­ber an.
Im Jahr 1992 wur­den beim Gip­fel­tref­fen des Eu­ro­päi­schen Rats in Edin­burgh drei Ar­beits­or­te des Par­la­ments fest­ge­legt: Straß­burg, wo jähr­li­ch zwölf Voll­ver­samm­lun­gen von je­weils drei­ein­halb Ta­gen und die Haus­halts­de­bat­te statt­fin­den; Brüs­sel, wo die Aus­schüs­se ta­gen und die au­ßer­or­dent­li­chen Ver­samm­lun­gen statt­fin­den, und Lu­xem­burg, wo si­ch das Ge­ne­ral­se­kre­ta­ri­at und an­de­re Diens­te be­fin­den. In ei­nem Zu­satz­pro­to­koll des Ver­trags von Ams­ter­dam wur­de 1997 fest­ge­legt, dass die Ver­ein­ba­rung von Edin­burgh gül­tig bleibt.

Und was kos­tet den Steu­er­zah­ler die­ser Rei­se­zir­kus?

Ein­mal im Mo­nat pen­deln 751 Ab­ge­ord­ne­te, be­glei­tet von As­sis­ten­ten, Prak­ti­kan­ten, Jour­na­lis­ten und Ver­tre­tern von Ver­bän­den und Un­ter­neh­men für vier Ta­ge nach Straß­burg. Die Brüs­se­ler Bü­ros pa­cken am Frei­tag vor­her die so ge­nann­te „Straßburg-Kiste“, die die wich­tigs­ten Un­ter­la­gen, Bü­ro­ma­te­ri­al und sons­ti­ge klei­ne Not­wen­dig­kei­ten ent­hält. Auch die­se Kis­ten wer­den per LKW ins Straß­bur­ger Par­la­ment und nach der Sit­zungs­wo­che wie­der zu­rück nach Brüs­sel ge­schafft. Die­ser „Rei­se­zir­kus“ ver­ur­sacht Kos­ten von et­wa 200 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr. Die­se Sum­me wird aus den Mit­teln der EU fi­nan­ziert, die si­ch wie­der­um haupt­säch­li­ch aus den Bei­trä­gen der Mit­glied­staa­ten zu­sam­men­set­zen.

War­um stimmt das Par­la­ment nicht für die Ab­schaf­fung des dop­pel­ten Sit­zes?

Über den Sitz von In­sti­tu­tio­nen kann nicht das Par­la­ment, son­dern nur der Eu­ro­päi­sche Rat, al­so die Ge­mein­schaft al­ler 28 Staats- und Re­gie­rungs­chefs ent­schei­den. Die­se Ent­schei­dung muss ein­stim­mig ge­fällt wer­den – und we­der Frank­reich no­ch Bel­gi­en wol­len frei­wil­lig auf den Sitz ei­ner so wich­ti­gen In­sti­tu­ti­on wie des Par­la­ments ver­zich­ten. Die Mehr­heit der Par­la­men­ta­rier hat si­ch wie­der­holt für die Ab­schaf­fung des dop­pel­ten Sit­zes aus­ge­spro­chen. Denn die Pen­de­lei be­deu­tet nicht nur ho­he Kos­ten, son­dern auch ei­nen er­heb­li­chen zu­sätz­li­chen Zeit­auf­wand für die Ab­ge­ord­ne­ten und ih­re Mit­ar­bei­ter.

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